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Spitzen Tipps

So gelingt dir das Nähen mit Spitze garantiert!

Tipps zum Nähen mit Spitze

 

DEFINITION

 

Spitze - ein Wort mit so vielen Facetten!

Spitze ist eine Sammelbegriff für dekorative Flächen, die entweder nur aus Garn oder aus Garn in Verbindung mit Stoff bestehen. 

Es gibt Bandspitze in verschiedenen Breiten, als auch flächige Meterware. 

Es gibt Spitze aus Naturfasern sowie aus synthetischen Fasern.

Damit verbunden gibt s spitzen mit matter oder sehr glänzender Optik.

Es gibt sie elastisch oder unelastisch.

Und natürlich gibt es die verschiedensten Muster von feinsten Blümchen bis großflächige Ornamente, wild gemixt oder mit plakativen Rapports - es gibt nichts, was es nicht gibt.

Allen Spitzen gemein ist ihre Struktur: sie ist durchbrochen, das heißt, es bestehen Löcher zwischen den Fäden, die durch ihre Größe und Anordnung ein Muster ergeben.

Ein Stoff mit einem einzelnen bestickten Motiv ist also noch keine Spitze.

 

 

KEINE ANGST VOR SPITZE

 

Dieser meist filigrane Stoff ist nicht vergleichbar mit "normalem" Stoff und löst deshalb oft erstmal Berührungsangst aus, wenn es darum geht, ihn zu vernähen. Denn berühren tut man ihn erstmal gern, oder? Da liegt dieser Ballen schönster Spitze im Stoffladen, man lässt sie durch die Finger gleiten und stellt sich vor, was daraus werden könnte... und dann kommt dieser fiese Gedanke: oh Gott, aber wie nähe ich das nur?! Das ist bestimmt mega schwierig!

 

Nein, ist es nicht!

Wenn man wieso, worauf man achten muss. 

Und dafür habe ich dir hier die wichtigsten Tipps zur Verarbeitung von Spitze zusammengestellt.

 

 

TIPP NR. 1 - die richtige Naht

 

Durch ihr durchbrochenes Warenbild sieht die Schnittkant einer Spitze anders aus als die einer Webware. Sie ist genauso durchbrochen und je nach große der Fächer im Spitzenmuster kann es auch mal längere Strecken geben, auf denen kein Stoff da ist.

Man kann hier also nicht immer mit einer klassischen Steppnaht und 1cm Nahtzugabenbreite nähen, wie man es sonst bei Webware tut.

Es könnte Lücken in der Naht geben, wo sie nicht geschlossen wäre und auch die offenliegenden Schnittkanten wären nicht schön. Auch versäubern mit der Overlock, wie man es sonst mit Webware macht, hätte keinen großen Effekt.

 

Die perfekte Naht für Spitze ist die französische Naht.

 

Diese Naht wird zweimal genäht und schliesst die Schnittkanten ein, so daß die sicher verwahrt und nicht mehr sichtbar sind. Sie ist dadurch eine sehr stabile und gleichzeitig sehr schöne Naht. mit einer eleganten Optik.

Zuerst wird der Stoff (anders als sonst) links auf links gelegt und zusammengenäht. Typischerweise füßchenbreit, also mit 7mm Nahtzugabenbreite. Dann wird die Zugabe auf 4-5mm zurückgeschnitten und die Naht umgebügelt. Jetzt liegt der Stoff rechts auf rechts und die Naht wird nocheinmal genäht, wieder mit 7mm. Insgesamt brauchst u also 1,5cm Nahzugabe.

Diese in sich eingefasste Nahtzugabe kann entweder so stehen bleiben, zu einer Seite gebügelt oder sogar nochmal abgesteppt werden, damit sie besonders flach liegt. (Meist wird sie nicht mehr abgesteppt und die feine Optik zu behalten)

 

Eine Alternative ist die Kappnaht.

 

Möchtest du die Nahtzugabe sowiso nochmals absteppen, damit alles besonders flach liegt, kannst du auch eine Kappnaht nähen. Sie ist nochmal etwas flacher, da sie nicht so viel Stoff beinhaltet, wie die französische Naht.

Für die Kappnaht legst du die Spitze rechts auf rechts und schließt sie mit 1,5cm Nahzugabenbreite. Danach schneidest du eine der beiden Nahzugaben auf die Hälfte zurück und legst die andere um die zurückgeschnittene herum. Diese eingepackte Nahtzugabe legst du auf die Seite der kürzeren, so daß alle Schnittkanten sicher verwahrt und nicht mehr sichtbar sind. Dann stupst du die Bruchkante nochmals schmalkantig ab und sicherst die Naht so.

Bei dieser Variante ist von rechts nur die Absteppung zu sehen, die typische Kappnaht-Optik liegt innen.

 

 

TIPP NR. 2 - die richtige Nadel

 

Da Spitze meist eher feiner ist, sollte man hier auch eine feine Nadel verwenden, um die feinen Strukturen nicht zu verletzen. Also eine 60er bis 70er Stärke.

Ob eine Universalnadel sie richtige ist oder eine Jersey- oder Stretchnadel mit einer Rundkopfspitze, hängt davon ab, ob die Spitze elastisch ist oder nicht.

Hier findest du eine große Auswahl an Nadeln*

 

 

TIPP NR. 3 - das richtige Garn

 

Ist die Nadel feiner, sollte auch das Garn entsprechend angepasst werden. Hier eignet sich ein Garn mit einer 120er Stärke am besten. 

Der klassische Allesnäher von Gütermann hat eine Stärke von 100, das Garn Mara oder der Miniking* mit 1000m - ebenfalls von Gütermann) hat eine Stärke von 120

 

 

TIPP NR. 4 - der richtige Stich

 

Die Stichauswahl hängt immer erstmal davon ab, ob der zu vernähende Stoff elastisch oder unelastisch ist.

Ist der Stoff, in dem Fall die Spitze, unelastisch, kann mit einem klassischen Steppstich genäht werden. Je nach Feinheit der Spitze empfiehlt es sich, die Stichlänge anzupassen und etwas zu verkleinern.

Ist die Spitze elastisch - und soll es auch an der Naht bleiben - sollte auch der Stich elastisch sein. Für Schliessnähte kann man hier auf einen elastischen Steppstich ausweichen, oder auf einen feinen Zickzack Stich. Für Absteppungen eignet sich ebenfalls ein Zickzackstich.

 

Am besten du nimmst dir vorab ein Stückchen der Spitze und testest die verschiedenen Nähte, bis du die richtige Einstellung für Stichlänge und Breite gefunden hast.

 

 

TIPP NR. 5 - der richtige Fuss

 

Gerade bei elastischer Spitze kann es zu einem ärgerlichen Effekt kommen - auch mi dem richtigen Stich: Die Naht wellt aus. De Elastike Spitz gibt dem Druck des Transports nach und dehnt sich aus. Das Ergebnis ist leider nicht schön. 

 

Bei dehnbaren Stoffen empfehle ich daher immer einen Obertransport(fuss).

 

Der Obertransport ist in manchen Maschinen bereits integriert in Form eines Hebels, den man im Bereich des Nähfüßchens herunter ziehen muss, um diesen speziellen Transport zu aktivieren.

Bei andern Maschinen braucht man dafür ein spezielles Füßchen, einen Obertransportfuss. Der ist allerdings leider selten im Standardzubehör mit anhalten - für mich aber einer der wichtigsten Füsse, der an keinen Nähplatz fehlen sollte!

Er bewegt sich auf eine bestimmte Art mit beim Nähen, so daß immer wieder der Druck herausgenommen und der Stoff sich wieder entspannen kann. Die Optik ist unschlagbar und das Ergebnis mehr wie überzeugend. Ein absoluter Gamechanger!

 

 

TIPP NR. 6 - das richtige Werkzeug

 

Bleiben wir doch gleich noch beim Zubehör, beziehungsweise bei den Nähhelfern. Das, was wohl an keinem Nähplatz fehlen darf, sind Stecknadeln! Mit ihnen wird vor dem Nähen alles so fixiert, dass nichts mehr verrutscht. Aber auch sie sollten bei Spitze nicht zu dick sein, deshalb achte hier auf feine Nadeln mit unversehrten Nadelspitzen, so daß sie garantiert keine Verletzungen der Spitze verursachen können. Hier kann ich dir die Glaskopf Stecknadeln super fine* von PRYM empfehlen. 

 

Wenn du keine feinen Stecknadeln hast sind Klammern* eine echte Alternative! 

 

Ehrlichgesagt bin ich normalerweise kein großer Freund von Klammern und greife immer lieber zur Stecknadel. Aber das ist reine Geschmacksache und in diesem Fall muss ich sagen: Klammern sind hier besser als zu dicke Nadeln!

 

 

TIPP NR. 7 - der richtige Anfang

 

Sind jetzt alle bisherigen Tipps umgesetzt, bleibt oft trotzdem ein Problem: Maschine frisst Stoff.

Das kennst du bestimmt... aber auch hierfür gibt es eine Lösung. 

Zuerst mal funktioniert das Verriegeln am Anfang der Naht immer besser, wenn man nicht direkt am Stoffrand anfängt zu nähen, sondern bereits ein paar Millimeter bis 1cm weiter innen. S hat der Fuss schon mehr Stoff unter sich liegen, den er besser zu greifen bekommt und so von Anfang an auch transportieren kann. 

Die klassische Verriegelung für den Nahtanfang (und auch das Ende) sieht so aus: man näht ein paar Stiche vorwärts, dann nochmal zurück bis zum Nahtanfang, und dann wieder nach vorne bis ans Ende der Naht.

Bei sehr feien Stoffen funktioniert die Punktverriegelung oft besser. Bei vielen Maschinen ist sie bereits einprogrammiert und kann per Knopfdruck ganz automatisch ausgeführt werden.

Und zuletzt hilft es bei besonders sensiblen Stoffen, wenn man mit einem Stück Vlieseline nachhilft und das unter den Anfang der Naht legt. Hierfür eignen sich Vliese, die man hinterher entweder herausrupfen kann (z. B. Stickvlies) oder Vliese, die man herausmachen kann (z. B. Soluvlies oder waschbares Stickvlies)

 

 

TIPP NR. 8 - der richtige Platzierung

 

Zu guter letzt möchte ich noch einen Design-Tipp loswerden, denn Spitze bietet oft wunderschöne Abschlüsse, die als Saum verwendet werden können. Ob dekorative Bogenkante oder gerader Abschluss, es wäre schade, diese nicht zu nutzen. 

Dafür darf man dann auch mal den angegebenen Fadenlauf missachten, was sich auf den Stoffverbrauch auswirken kann. Daher hier bitte genau aufpassen beim Stoffkauf, am besten die Schnittteile mitnehmen und auflegen. 

 

Ein weiterer Vorteil von Spitze ist der, daß die Kanten nicht ausfransen. Das heißt, man kann sie auch einfach schneiden, und nicht weiter verarbeiten. Genau das habe ich bei meinem Spitzen Topp an den Armen gemacht, während der untere Abschluss die gerade verarbeitete Stoffkante der Spitze ist. So brauchte ich nur die Schulter und die Seiten zu nähen und den Ausschnitt habe ich Einmach schmal eingeschlagen und abgesteppt - Fertig!

 

Tipps zum Nähen mit Spitze

 

Ich hoffe ich konnte dir Lust machen auf ein Projekt mit Spitze?!

Wenn du dafür noch das passende Modell suchst, probier es doch mal mit dem Easy Knit. Das habe ich hier verwendet (und etwas gewandelt - siehe Blogpost vom 14.2.24)

>> zum freeBook Easy Knit (klick)

 

Das Wasserfall Shirt Mali Mala aus Spitze kannst du dir >> HIER anschauen 

 

 

Lass mich gerne wissen, wie es dir mit dem Thema Spitze geht!

Und denk dran: trau dich und mach einfach mal! Nur dadurch lernt man dazu!

 

 

bleib kreativ!

deine Katja


 

Du hast noch keinen Obertransportfuss? Für mich ist das einer der wichtigsten Füßchen! 

Nicht nur für elastische Stoffe, auch für lange Strecken ist der Fuss ein absoluter Gamechanger, da er hier unschöne Schrägzüge verhindert und ein optimales Ergebnis bringt.

 

Der Fuss muss zu deinem Modell passen.

Ich hab dir hier mal ein paar rausgesucht:

 

>> Bernina*

>> Bernette*

>> Brother*

>> Gritzner*

>> W6*

>> Janome*

>> Singer*

>> verschiedene*

 

Alle mit * gekennzeichneten Links sind Affiliate-Links

 

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Katja Bercher

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